Wache Nächte, müde Tage - so schläft Deutschland

Viele Menschen in Deutschland schlafen schlecht. Und die unruhigen Nächte hinterlassen Spuren: Knapp 60 Prozent fühlen sich häufig schläfrig, müde oder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

von Peter Radonjic

Deutschland ist als „schlaflose“ Nation bekannt. Laut einer aktuellen GFK-Studie bewerten fast ein Drittel der Befragten ihren Schlaf als nicht ausreichend, während 40 % finden, dass sie zu wenig schlafen. Wie von den meisten Schlafexperten vermutet, weist ein Fünftel von ihnen darauf hin, dass die Corona-Pandemie der Hauptgrund für ihre schlechte Schlafqualität ist. In Google Trends können wir sogar einen signifikanten Suchtrend für „Melatonin“ als Schlafmittel zur Lösung von Schlafproblemen beobachten.

Der Suchtrend liegt demnach zweimal höher als noch im Jahr 2019. Weitere Studien bestätigten, dass die aktuelle „Corona-Somnia“ durch längere Arbeitszeiten, Home-Office, Schulunterricht von zuhause, weniger soziale Kontakte, weniger Sport oder Bewegung, und zunehmender Angst, aufgrund politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit verursacht wird.

Die Deutschen maßen dem Schlaf in der Vergangenheit weniger Bedeutung bei als ihre europäischen Nachbarn. Da es unsere Mission ist, „Schlaf für alle zu verbessern“, werden wir eine Verbraucherbefragung durchführen, was die Deutschen tun, um ihren Schlaf jetzt und in den nächsten 12 Monaten zu verbessern.

In der von ColourSleep aus Dänemark beauftragten Studie werden folgende Fragen analysiert:

  • Welchen Stellenwert der Schlaf bei der deutschen Bevölkerung in der Zeit nach der Pandemie einnimmt. Auch die Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen und demografischen Gruppen wie Geschlecht, Alter, Beruf, Standort usw. werden dabei berücksichtigt.
  • Wie die deutsche Bevölkerung ihre Schlafqualität verglichen mit der Zeit vor der Pandemie einschätzt
  • Ob sie bereits Schlafroutinen integriert haben, um ihren Schlaf zu verbessern
  • Welche anderen Methoden sie anwenden, um ihren Schlaf zu verbessern
  • Wie die Pandemie ihre Bedürfnisse beim Matratzenkauf verändert

Zusammenfassung der Studie

Bei der Hälfte der Deutschen ist die Nacht zu kurz: Sie schlafen nicht mehr als 6 Stunden. Ein Viertel bewertet ihren Schlaf sogar als schlecht bis sehr schlecht. Umgerechnet auf die deutsche Bevölkerung sind davon 20 Millionen Menschen betroffen. Fast jeder Vierte braucht länger als 30 Minuten zum Einschlafen, etwa sieben von zehn Personen können nicht durschlafen und wachen nachts auf. Und die unruhigen Nächte hinterlassen Spuren: Knapp 60 Prozent fühlen sich mehr als zweimal pro Woche schläfrig, müde oder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Frauen vs. Männer

Wenn’s um Schlaf geht, ziehen Frauen im wahrsten Sinne des Wortes den Kürzeren: Mehr als die Hälfte der Frauen schläft weniger als 6 Stunden. Dabei sind sie besonders von Durchschlafproblemen betroffen. 67 Prozent wachen in der Nacht auf – mehr als 50 Prozent sogar mehrfach, also mindestens zweimal pro Nacht. Die Konsequenz: konstante Müdigkeit. Ein Viertel der Frauen fühlt sich an jedem einzelnen Wochentag zu müde.

Bundesvergleich

Berlin oder doch lieber Hamburg? Wenn es um die Schlafqualität nach der Pandemie geht, liegt die Hansestadt auf jeden Fall vorn: Fast 50 Prozent der Hamburger*innen bewerten ihren Schlaf als sehr gut oder gut (47 %). In Berlin kann das nur etwa jede*r Dritte von sich behaupten (35 %). Doch während in Berlin 58 Prozent der Männer nach der Pandemie über schlechteren Schlaf als zuvor klagen, sind es in Hamburg die Frauen, die schlecht schlafen. Unangefochtene Nummer Eins der Schlafqualität ist Rheinland-Pfalz. In Sachsen bewertet über die Hälfte (54 %) ihren Schlaf als sehr schlecht oder schlecht.

Gründe für schlechten Schlaf

Zu gestresst für guten Schlaf – das lässt sich immerhin für ein Fünftel der Deutschen behaupten. Besonders von Stress als „Schlaf-Killer“ geplagt sind dabei Männer, die älter als 45 Jahre sind, und Frauen mit mehr als zwei Kindern. Auf Platz 2 und 3 der Ursachen werden „gesundheitliche Gründe“ und „keine Zeit zum Entspannen“ genannt.

Schlafkomfort x Matratzenkauf

61 % der Deutschen finden, dass ihre Matratze gut zu ihnen passt. Um ihren Schlaf zu verbessern, planen noch 37 % der Deutschen eine Matratze zu kaufen. Qualität bleibt weiterhin das wichtigste Kaufkriterium, Nachhaltigkeit steht auf Platz 2. Ein neuer Trend lässt sich beobachten: 63 – 65 % der befragten Personen interessieren sich für individualisierten Schlafkomfort.

Peter Radonjic